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Etha: Von zwei in Raqqa eingeschlossenen Journalist:innen fehlt jede Spur

Übersetzter Artikel des Nachrichtenportals ETHA Haber

Seit dem Angriff der HTŞ-DAİŞ-Banden auf die Stadt Raqqa fehlt jede Spur von Ahmed Polad, Autor bei Kurdistana Azad und Programmgestalter bei Özgür TV, und der internationalen Journalistin Eva Maria Michelmann, die sich zum Zeitpunkt des Angriffs in der Stadt befanden. Ahmet Polad lieferte unserer Agentur regelmäßig Nachrichten.

Ahmet Polad, Autor bei Kurdistana Azad und Programmgestalter bei Özgür TV, und die internationale Journalistin Eva Maria Michelmann befanden sich während der Angriffe der schlafenden DAİŞ-Zellen in der Stadt. Die beiden Journalist:innen, die sich in der Region aufhielten, um die Entwicklungen zu verfolgen, wurden zusammen mit fast 40 Zivilist:innen in einem Gebäude belagert. Von den beiden Journalist:innen, die ihre Videos an die Nachrichtenagentur Etkin Haber Ajansı (ETHA) und Özgür TV geschickt hatten, fehlt weiterhin jede Spur. Es ist nicht bekannt, ob Polad und Michelmann gefangen genommen oder getötet wurden. Trotz aller Bemühungen konnten bislang keine Informationen eingeholt werden.

Ahmet Polad, der auch Mitglied der Freien Presse Union (YRA) ist, hatte in seinen Videoberichten, die er aus dem unter schwerem Beschuss stehenden Gebäude aufgenommen hatte, über die Entwicklungen berichtet, die er dort beobachtet hatte. Polad hatte gesagt, dass „die schlafenden Zellen des IS in der Stadt aktiv geworden seien und dass es in der Gegend, in der sie sich befanden, zu heftigen Schusswechseln gekommen sei“. In einem weiteren Video berichtete Polad, dass ein Fahrzeug, das sich auf das Gebäude zubewegte, beschossen wurde und die Insass:innen verletzt herausgeholt wurden.

Nach unseren Informationen wurden zwei Journalist:innen und zahlreiche Zivilist:innen, die aufgrund der Angriffe das Gebäude einer Jugendorganisation der Autonomen Verwaltung erreicht hatten, von Banden umzingelt. Zur gleichen Zeit wurden auch zahlreiche andere Gebäude in der Stadt angegriffen, es kam zu heftigen Zusammenstößen und in einigen Stadtteilen zu Hinrichtungen auf offener Straße. Die Menschen, die sich in dem Gebäude versammelt hatten, verteidigten sich gegen die Angriffe der Banden und hinderten diese lange Zeit daran, sich dem Gebäude zu nähern. Am Abend wurde das Gebäude, in dem sich Zivilist:innen befanden, von schwer bewaffneten Banden vollständig umzingelt, und als es dunkel wurde, verstärkten die Banden ihre Angriffe auf das zweistöckige Gebäude. Die Banden drangen zunächst in das Untergeschoss ein und setzten ihre Angriffe lange Zeit fort, um die Menschen im Inneren zu töten. Auch im Gebäude kam es zu Zusammenstößen. Der Journalist Ahmet Polad hatte den ganzen Tag über in verschiedenen Videoberichten über all diese Ereignisse berichtet. Aufgrund von Stromausfällen und Internetunterbrechungen brach der Kontakt zu Polad am Abend ab.

Nach unseren Informationen aus zuverlässigen Quellen wurde die Forderung der Banden, unbewaffnet aus dem Gebäude zu kommen und sich zu ergeben, von den Insass:innen abgelehnt. Denn bis zu diesem Zeitpunkt waren Dutzende Menschen von den Banden getötet, erschossen oder gefangen genommen worden. Daher dauerte der Widerstand lange an.

Die QSD-Streitkräfte waren ebenfalls in Aktion getreten, um die unter Belagerung stehenden Zivilist:innen zu retten. Allerdings war das Gebiet nicht erreichbar. Es wurde bekannt, dass die QSD-Kommandeure Kontakt zu den Streitkräften in der Region aufgenommen und Verhandlungen über die sichere Evakuierung der Zivilist:innen aus dem belagerten Gebäude geführt hatten. In der Zwischenzeit waren auch die Strom- und Internetverbindungen unterbrochen worden, und es wurde bekannt, dass der Kontakt zu der Gruppe, zu der auch die zwei Journalist:innen gehörten, seitdem abgebrochen war. Nach Verhandlungen, die bis spät in die Nacht dauerten, wurde eine Einigung erzielt, und die Menschen im Gebäude verließen es in Gruppen und wurden in das Gebiet der QSD-Kräfte gebracht. Ein Teil der aus dem Gebäude evakuierten Personen erreichte die QSD-Kräfte, die das El-Aqtan-Gefängnis in der Nähe von Raqqa bewachen.

Aufgrund des Mangels an Strom und Internet sowie der Tatsache, dass das Gefängnis in den folgenden Tagen ebenfalls angegriffen wurde, gab es lange Zeit keine Nachrichten von Polad und Michelmann. Es wurde angenommen, dass die gesamte Gruppe, die im Stadtzentrum von Raqqa eingeschlossen war, das Gefängnis erreicht hatte. Als jedoch einige Tage später die Telefonverbindung wiederhergestellt wurde, stellte sich heraus, dass die beiden Journalist:innen nicht unter denjenigen waren, die das Gefängnis erreicht hatten. Nachdem Polad und Michelmann in Gruppen aus dem belagerten Gebäude gekommen waren, wurde vermutet, dass sie von den Milizen gefangen genommen worden waren. Einige Mitglieder derselben Gruppe, die aus dem El-Aqtan-Gefängnis entkommen waren und sich dem Konvoi nach Kobanê angeschlossen hatten, berichteten, dass die Banden Polad und Michelmann in ein Fahrzeug gesetzt hätten, nachdem die Gruppen das Gebäude verlassen hatten, und dass sie sie seitdem nicht mehr gesehen hätten.

Aufgrund der Angriffe in den Regionen Deyr Hafir, Tabqa, Rakka und Derazor fehlt von Hunderten von Soldat:innen und Zivilist:innen jede Spur. Die Leichen zahlreicher Kämpfer:innen, die bei der Verteidigung der Gebiete im Norden und Osten Syriens ums Leben gekommen sind, blieben in den von den Banden besetzten Gebieten zurück und fielen in deren Hände. Außerdem wurde bekannt, dass die Banden, die in engem Kontakt mit dem türkischen Staat stehen, zahlreiche Gefangene, die nicht aus Syrien stammen, direkt an den MİT übergeben haben. Es ist jedoch nicht bekannt, um wen es sich bei diesen Personen handelt.

Zwischen dem QSD-Generalkommando und der HTŞ wurden Kontakte hinsichtlich der Übergabe der Gefangenen und der Leichen, die sich in der Hand der Banden befinden, aufgenommen, aber diese Gespräche kamen lange Zeit nicht voran. Unter den Personen, nach deren Schicksal die QSD in ihren Gesprächen mit der HTŞ gefragt hat, befinden sich auch die Namen der zwei Journalist:innen. Die Bemühungen blieben jedoch bislang erfolglos. Es gibt keine konkreten Informationen darüber, ob Polad und Michelmann von den Banden gefangen genommen, dem MİT übergeben oder von den Banden hingerichtet wurden.