Ahmet Polad, Autor für Kurdistana Azad, und die internationale Journalistin Eva Maria Michelmann, die sich während des Angriffs der Streitkräfte der syrischen Übergangsregierung (STG) von al-Shara in Raqqa aufhielten, werden seit dem 18. Januar 2026 vermisst.
Berichten zufolge wurden die Journalist:innen, die sich in der Stadt aufhielten, um die Entwicklungen zu beobachten und über die Angriffe der syrischen Armee zu berichten, zuletzt gesehen, als sie gemeinsam mit Zivilist:innen in einem DAANES-Gebäude Zuflucht suchten.
Nach Informationen verschiedener Quellen: Am 18. Januar, als Tabqa fiel und Raqqa angegriffen wurde, unternahmen die SDF-Einheiten Maßnahmen zur Rettung von Zivilist:innen. Jedoch konnten sie das Gebiet, in dem sich die beiden Journalist:innen aufhielten, nicht erreichen. Die SDF-Kommandeure nahmen Kontakt zu den Streitkräften in der Umgebung auf und verhandelten über die sichere Evakuierung der Zivilist:innen, die in dem belagerten Gebäude gefangen waren. Währenddessen wurden die Strom- und Internetversorgung unterbrochen, und der Kontakt zu der Gruppe, zu der auch die beiden Journalist:innen gehörten, brach ab. Nach Verhandlungen, die bis spät in die Nacht andauerten, wurde eine Einigung erzielt, und die Menschen im Gebäude verließen es in Gruppen, den Bedingungen der Vereinbarung entsprechend. Schließlich erreichten sie das Gebiet, in dem sich die SDF-Einheiten befanden. Einige derjenigen, die das Gebäude verlassen hatten, schafften es zu den SDF-Einheiten, die das Al-Aqtan-Gefängnis in der Nähe von Raqqa bewachten.
Aufgrund des Mangels an Strom und Internet sowie des anschließenden Angriffs auf das Gefängnis gab es über einen längeren Zeitraum keine Nachrichten von Polad und Michelmann. Zunächst wurde angenommen, dass die gesamte Gruppe, die im Stadtzentrum von Raqqa gefangen war, das Gefängnis erreicht hatte. Als jedoch einige Tage später die Telefonverbindung wiederhergestellt wurde, stellte sich heraus, dass die beiden Journalist:innen nicht zu denen gehörten, die es bis zum Gefängnis geschafft hatten. Es wurde vermutet, dass Polad und Michelmann nach dem Verlassen des belagerten Gebäudes von STG-Kräften gefangen genommen worden waren. Einige Mitglieder des Konvois, der das Al-Aqtan-Gefängnis verlassen hatte und Kobanê erreichte, berichteten, dass die STG-Kräfte Polad und Michelmann in ein Fahrzeug gesetzt hatten, nachdem die letzten Gruppen das Gebäude verlassen hatten, und sie seitdem nicht mehr gesehen worden waren.
Seit Beginn der Angriffe der STG-Kräfte auf die kurdischen Viertel von Aleppo am 6. Januar bis zur Unterzeichnung des Abkommens am 29. Januar sind Hunderte von Menschen, sowohl Militärangehörige als auch Zivilist:innen, verschwunden. Es ist unklar, ob sie von den STG-Kräften in Gewahrsam genommen oder hingerichtet wurden, wie viele andere auch. Trotz des Versprechens der STG vor mehr als zwei Wochen, einen Gefangenenaustausch durchzuführen, ist dies nicht geschehen. Am Mittwoch veranstalteten die Familien der Gefangenen eine Demonstration in Qamischlo, um die sofortige Freilassung ihrer Angehörigen zu fordern.
Als People’s Bridge rufen wir alle dazu auf, schnell zu handeln, um das Schicksal der Vermissten und der von den Streitkräften der Übergangsregierung al-Shara gefangen genommenen Personen aufzuklären, insbesondere der internationalen Journalistin Eva Maria Michelmann und Ahmed Polad.
Wir fordern die deutsche Regierung auf, Druck auf die Übergangsregierung auszuüben, um Aufklärung über das Ergehen der deutschen Staatsbürgerin Eva Maria Michelmann zu schaffen.
Wir rufen alle solidarischen internationalen Institutionen, Organisationen in Europa, Presse- und Journalist:innenverbände und -gewerkschaften, Intellektuelle und die demokratische Öffentlichkeit dazu auf, unermüdlich zu kämpfen, bis die Lage der Gefangenen geklärt ist und sie freigelassen werden.
Peoples Bridge, 28.2.2026
