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Das Recht der jesidischen Bevölkerung auf Selbstverteidigung ist nicht verhandelbar!

Die irakische Regierung kündigte ihr Vorhaben an, die ezidischen Sicherheitskräfte in der teilweise selbstverwalteten Region Şengal zu entwaffnen. Konkret gemeint sind die YBŞ (Widerstandseinheiten Şengals), YJÊ (Ezidische Fraueneinheiten) und die Êzdîxan-Asayîş (Ezidischen Sicherheitskräfte). Sollten die Kämpfer:innen der Aufforderung nicht nachkommen, drohte die Regierung mit einer Invasion am 10. März.

Außerdem soll die Präsenz der irakischen Armee in der Region ausgebaut werden. Bereits Anfang vergangener Woche wurde ohne Absprache mit lokalen Strukturen mit dem Ausbau verschiedener Checkpoints und Stützpunkte in der Region begonnen.

Das Recht der Ezid:innen auf Selbstverteidigung ist nicht verhandelbar!

Die Geschichte der ezidischen Glaubensgemeinschaft ist durchzogen von Verfolgung, Vertreibung und Massakern. Insgesamt 74 Genozide wurden in ihrer Geschichte an den Ezid:innen verübt. Der letzte dieser Genozide fand 2014 in der Region Şengal statt – eben jener Region, die jetzt von der irakischen Armee umstellt und entwaffnet werden soll.

Damals flohen sowohl die irakische Armee als auch die Peschmerga der Kurdischen Regionalregierung vor den Terroristen des Islamischen Staates und ließen die Bevölkerung schutzlos zurück.

Tausende wurden ermordet oder entführt. Unzählige ezidische Frauen wurden in die Sexsklaverei verkauft und gefoltert. Nur durch eine Offensive der Volksverteidigungseinheiten (YPG), der Kurdischen Arbeiterpartei (PKK) und der Marxistisch-Leninistisch Kommunistischen Partei Türkei / Kurdistan (MLKP) konnten die Massaker damals beendet und Schlimmeres verhindert werden.

Die Gründung der YBŞ, YJÊ und Êzdîxan-Asayîş war die direkte Antwort der lokalen Bevölkerung auf diesen Genozid. Nie wieder sollten die Ezid:innen schutz- und machtlos sein.

Die geplante Entwaffnung dieser Einheiten würde bedeuten, die Situation von 2014 zu reproduzieren. Sie würde die Bedingungen wiederherstellen, die den Genozid an den Ezid:innen erst ermöglicht haben, und die ezidische Glaubensgemeinschaft wieder in einen Zustand der Schutzlosigkeit zurückversetzen.

Insbesondere in Zeiten, in denen der Islamische Staat wieder erstarkt und ein ehemaliger Kommandant der Terrormiliz Syrien regiert, ist das Recht der Ezid:innen auf Selbstverteidigung nicht verhandelbar!

Doch nicht nur der irakische Staat droht Şengal. Hakan Fidan, Außenminister des faschistischen türkischen Staates, fordert ebenfalls die vollständige Auflösung der Selbstverwaltungsstrukturen in der Region. In einem Interview sagte er: „Diese Angelegenheit (gemeint ist die kurdische Freiheitsbewegung) hat auch eine irakische Komponente. Nach der syrischen Komponente (gemeint ist die Rojava-Revolution) kommt die irakische Komponente. Hoffentlich lernen sie aus den Erfahrungen hier und treffen eine klügere Entscheidung, damit der Übergang dort leichter verläuft.“

Der türkische Staat macht mit kaum verschleierten Drohungen wie dieser einmal mehr klar, dass sein Ziel die restlose Zerschlagung aller Errungenschaften des kurdischen Volkes ist. Er ist weder an Frieden noch an Kompromissen interessiert, sondern nur an der bedingungslosen Kapitulation der kurdischen Befreiungsbewegung und der Assimilation des kurdischen Volkes.

Wir fordern alle fortschrittlichen Kräfte in der Region und darüber hinaus dazu auf, diesem Plan entschlossen entgegenzutreten!

Als People’s Bridge verurteilen wir die militärische Einkreisung Şengals sowie den eklatanten Eingriff in das Selbstbestimmungsrecht der ezidischen Glaubensgemeinschaft aufs Schärfste und sprechen der ezidischen Bevölkerung unsere ausdrückliche Solidarität aus!

Die geforderte Entwaffnung der Sicherheitskräfte in Şengal öffnet einem weiteren Genozid Tür und Tor. Wir fordern alle fortschrittlichen Kräfte in der Region und darüber hinaus dazu auf, diesem Plan entschlossen entgegenzutreten und die legitimen Forderungen der Ezid:innen zu unterstützen. Die Selbstverwaltung Şengals – als praktische Lehre aus 74 Genoziden – muss umgehend mitsamt ihrer Verteidigungseinheiten international anerkannt werden.