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Pressemitteilung der Familienangehörigen von Eva Maria Michelmann und deren Anwalt

Köln, 10.03.2026

Am 10.03.2026 fand eine Pressekonferenz der Familienangehörigen von Eva Maria Michelmann und deren Anwalt Roland Meister in Köln statt. Die Moderatorin, Sprecherin der Rojava-Solidaritätsstruktur „People‘s Bridge“, Avîn Hummitzsch, leitete die Pressekonferenzn mit der Information ein, dass die deutsche Staatsangehörige und Journalistin Eva Maria Michelmann seit dem 18.01.2026 vermisst wird. Am 28.02.2026 veröffentlichte die Nachrichtenagentur „Etkin Haber Ajansı” (ETHA), dass sie zuletzt in Syrien, in Raqqa während einer Berichterstattung gemeinsam mit dem Journalisten Ahmet Polad gesehen wurde. Nach der Belagerung der Stadt Raqqa seitens der Einheiten der syrischen Übergangsregierung sollen die beiden Journalist:innen in ein Fahrzeug gesetzt worden sein und seitdem fehle jede Spur von ihnen. Auf der Pressekonferenz sprachen der Anwalt der Familie, Roland Meister, die Mutter von Eva Maria, Rotraut Hake-Michelmann und der Bruder von Eva Maria, Dr. Antonius Michelmann. Anwesend waren verschiedene Pressevertreter:innen, unter anderem von WDR, n-tv, Deutschlandfunk, Deutsche Welle, RTL, Rote Fahne News, Perspektive Online, ETHA, Özgür Politika, Medya Haber und Stêrk TV.

Der Anwalt der Familie, Roland Meister, fuhr mit der Erklärung fort, dass er von der Familie von Eva Maria Michelmann beauftragt wurde, um ihre Auffindung und Freilassung zu erreichen. Im Rahmen der Operation von Al-Sharaa und der syrischen Übergangsregierung wurden größere Teile der Demokratischen Selbstverwaltung Nord-Ostsyriens angegriffen. Weiter hieß es, dass es während dieser Operation zu der Situation am 18.01.2026 kam, aus welcher sich schließen lasse, dass Eva Maria sich in Gefangenschaft befinde und bis heute nicht bekannt sei, wo sie sich befinde.

Auch erklärte Meister, dass nach der Beauftragung am 3. März das Auswärtige Amt informiert worden sei. Es folgten Veröffentlichungen und Tätigkeiten der deutschen Journalistenunion (DJU), verschiedener Strukturen wie beispielsweise Reporter ohne Grenzen, Committee to Protect Journalists (CPJ), der internationalen Föderation von Journalisten, der Gewerkschaft ver.di und ihrem Nachrichtenmagazin und der Rojava Solidaritätsstruktur People‘s Bridge. Das Internationale Rote Kreuz wurde ebenfalls eingeschaltet und begann, verschiedene direkte
Kontakte in die Region, unter anderem zu Mazlum Abdi, Vertreter der autonomen Selbstverwaltung von Nord- und Ostsyrien, aufzunehmen. Cansu Özdemir, Mitglied des Deutschen Bundestags, wurde ebenfalls kontaktiert, welche sich bereits selbst an das Auswärtige Amt gewandt habe. Auch habe es direkten Kontakt zu politischen Freund:innen in Rojava gegeben, die sich bemühen, den Aufenthaltsort von Eva Maria Michelmann und Ahmet Polad herauszufinden.

Am Tag der Pressekonferenz habe es ein Telefonat mit Frau Rau aus dem Auswärtigen Amt gegeben, welche alle wesentlichen Stellen im Mittleren Osten, nicht nur in Syrien, durch die deutsche Regierung benachrichtigt habe. Die Daten und ein Foto von Eva Maria Michelmann seien im Zuge dessen weitergegeben worden, um ihren Aufenthalt zu ermitteln. Die deutsche Regierung wurde bisher nicht von der syrischen Übergangsregierung informiert. Roland Meister ergänzte: „Wir wissen von einem Journalisten aus Damaskus, welcher berichtete, dass der Name Eva Maria Michelmann vor Ort unbekannt sei.“

Weiter führte er aus:

„Seit über 50 Tagen ist Eva Maria spurlos verschwunden. Das ist beängstigend. Aktuell gibt es die Möglichkeit, dass sie sich in Gefangenschaft befindet oder dass sie sich in informeller Gefangenschaft befindet – das bedeutet, dass sie verschleppt und noch nicht der offiziellen Regierung übergeben wurde. Es besteht aber auch die Möglichkeit, dass sie getötet worden sein könnte und in anonymen Massengräbern verscharrt wurde. Die vierte Möglichkeit wäre, da die Türkei unmittelbar an den militärischen Auseinandersetzungen im Januar beteiligt war und sich in Zusammenarbeit mit der syrischen Übergangsregierung befindet, dass sie möglicherweise an die Türkei übergeben worden ist, da der kurdische Journalist Ahmet Polad, welcher mit ihr gemeinsam festgenommen wurde, die türkische Staatsangehörigkeit hat. In der aktuellen Situation sind Sorge und Angst berechtigt. Das Auswärtige Amt scheint das Ganze ernst zu nehmen. Die syrische Übergangsregierung wird als ein Bündnispartner Deutschlands gesehen, jedoch ist es ein Problem für die Beziehungen, wenn eine deutsche Staatsangehörige verschleppt wird und im Nachhinein jegliche Auskunft fehlt.“

Im Anschluss kam die Mutter von Eva Maria, Rotraut Hake-Michelmann zu Wort über die Situation ihrer verschwundenen Tochter. Das letzte Lebenszeichen von Eva Maria habe es am 18.01.2026 gegeben, seitdem sei kein Kontakt mehr möglich. Auch wenn sie Angst habe, dass ihre Tochter nicht mehr am Leben sei, bleibe sie weiterhin hoffnungsvoll angesichts der aktuellen Situation. Sie bemerkte, dass derzeit viele mutige Journalist:innen aus den aktuellen Brandherden auf der Welt berichten, wofür sie unter anderem auch mit ihrem Leben zahlen würden.

Dr. Antonius Michelmann, Eva Marias Bruder, mache sich ebenfalls Sorgen um seine Schwester. Sie sei schon immer eine weltoffene, mutige und ehrliche Person, die Rojava als einen Anziehungspunkt für Solidarität und den gelebten Zusammenhalt der Völker verstand. Aktuell würden sich viele Menschen für die Freilassung der mindestens 1.070 Gefangenen der Operation einsetzen, worüber Hoffnung entstehe, dass auch Eva Maria darunter freigelassen wird. Er rufe die deutsche Bundesregierung dazu auf, sich für Eva Maria einzusetzen und ihre Situation aufzuklären. Er macht aufmerksam auf den Besuch von Ursula von der Leyen im Januar 2026, bei welchem der syrischen Übergangsregierung 620 Millionen Euro zugesichert worden seien. Dies zeuge von engen Beziehungen, welche die Möglichkeit bieten würden, Eva Maria ausfindig zu machen.

Die Pressekonferenz endete nach Fragen der Pressevertreter:innen und Antworten des Anwalts und der Familienangehörigen.