Am 6. April wurde auf der Medienplattform ETHA ein Gespräch mit Casim Mihemmed veröffentlicht. Er befand sich am 18. Januar im gleichen Gebäude wie Eva Maria Michelmann und Ahmet Polad, als Kräfte der syrischen Übergangsregierung das Gebäude einkreisten. Durch seinen Bericht sind wichtige neue Informationen zur Entführung der beiden Journalist:innen ans Licht gekommen.
Michelmann und Polad hielten sich in der Stadt Raqqa auf, um über die dortigen Gefechte zu berichten. Die beiden suchten in einem Jugendzentrum Zuflucht.
Casim Mihemmed berichtet: „Wir befanden uns im revolutionären Jugendzentrum im Stadtteil Seyf El Dewlî in Raqqa. Auch die Journalistin Eva kam ins Zentrum. Sie arbeitete an einer Reportage über die IS-Zellen in Raqqa. Als die Stämme angriffen, nahmen wir Kontakt zu Muhammad Abdulqani von der Allgemeinen Sicherheit der Region Aleppo auf, um uns herausholen zu lassen. Wir wurden evakuiert, haben aber keine Informationen über die beiden Journalist:innen. Die Journalist:innen hatten sich verlaufen und waren ebenfalls zum Jugendzentrum gekommen. Es handelte sich um Kolleg:innen, die den Krieg dokumentieren wollten. Sie wollten zeigen, wie sich die IS-Zellen in Raqqa wieder formierten. Eva hat der ganzen Welt die Präsenz des IS in Raqqa vor Augen geführt.“
Regarding the evacuation of the building, the eyewitness reports: „Nachdem Kontakt mit den Sicherheitskräften aufgenommen worden war, holten sie uns gegen 1:30 Uhr nachts dort heraus. Wir zogen uns sicher ins Aqtan-Gefängnis zurück. Eva und der andere Journalist, Ahmet, waren dort nicht. Anfangs waren sie noch bei uns, bis die Sicherheitskräfte eintrafen. Dann fuhren unsere Fahrzeuge in eine Richtung, ihr Auto in eine andere. Muhammad Abdulqani, der Sicherheitsbeauftragte, kam, nahm Kontakt zu den Stämmen auf und ließ uns herausholen. Eva und Ahmet kamen nicht mit uns. Bis heute haben wir nichts von ihnen gehört. Wir haben gesehen, dass sie in ein anderes Fahrzeug gesetzt wurden. Warum sind sie nicht mit uns gekommen? Warum hat man sie nicht mitgebracht? Gemäß der getroffenen Vereinbarung sind wir sicher im Aqtan-Gefängnis angekommen.“

Der Augenzeuge gab bekannt, wer an jenem Tag das Kommando hatte. Demnach soll der Leiter der Inneren Sicherheit von Aleppo, Mohammed Abdulqani, vor Ort gewesen sein. Er wurde anhand eines Fotos wiedererkannt. Abdulqani hat – wie viele Angehörige der Sicherheitskräfte der Übergangsregierung – eine Vergangenheit mit der islamistischen HTS.
Wir fordern, dass die Verantwortlichen bei der Evakuierung des Gebäudes Rechenschaft ablegen. Es handelt sich nachweislich um Angehörige der Sicherheitskräfte der syrischen Übergangsregierung. Es ist die Verantwortung von Ahmed al-Sharaa und der Übergangsregierung, die Entführung von Eva und Ahmet zu bestätigen und die beiden unverzüglich freizulassen.
