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Pressemitteilung der Familienangehörigen von Eva Maria Michelmann und deren Anwalt

Köln, 27.04.2026

Am 27.04.2026 fand in Köln eine Pressekonferenz der Familienangehörigen der Journalistin Eva Maria Michelmann und deren Anwalt Frank Jasenski statt. Am 10.03.2026 wurde in einer Pressekonferenz, mitgeteilt, dass die deutsche Staatsangehörige und Kölner Journalistin Eva Maria Michelmann seit dem 18.01.2026 als vermisst gelte, nachdem sie nach der Belagerung der Stadt Raqqa durch Einheiten der syrischen Übergangsregierung in ein Fahrzeug gesetzt worden seien. Die heutige Pressekonferenz wurde durch die Sprecherin der Rojava-Solidaritätssturkur „People’s Bridge“, Avîn Hummitzsch, mit der Information eingeleitet, dass der Aufenthalt Michelmanns nun bekannt und sie am Leben sei.

Am 11. April sei entlang eines Gefangenenaustauschs durch ehemalig Inhaftierte bekannt geworden, dass Ahmet Polad (Mehmet Nizam Aslan) sich im Gefängnis von Aleppo befinde und ebenfalls eine deutsche Journalistin vor Ort inhaftiert sei. Am 23. April wurde durch das Auswärtige Amt bekannt gegeben, dass Michelmann von Aleppo in eine Haftanstalt in Damaskus verlegt worden und durch Mitarbeitende der deutschen Botschaft vor Ort, in Begleitung Sicherheitskräfte besucht worden sei. Zum Anlass des 100. Tages der Entführung der beiden Medienschaffenden wurde ein Offener Brief an den Bundeskanzler der Bundesregierung, Friedrich Merz, den Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier und der Präsidentin der EU-Kommission, Ursula von der Leyen, gestellt. Dieser wurde durch über 160 Persönlichkeite, darunter Abgeordnete des Bundestages, des EU-Parlaments, Journalist:innen, Künstler:innen, Gewerkschafter:innen, Angehörige und demokratischen Organisationen mit der Forderung der Freilassung von Eva Maria Michelmann und Ahmet Polad. Auf der Pressekonferenz sprachen der Anwalt der Familie, Frank Jasenski, die Mutter von Eva Maria, Rotraut Hake-Michelmann und der Bruder von Eva Maria, Dr. Antonius Michelmann. Verschiedene Presseverter:innen waren anwesend, unter anderem die Deutsche Presseagentur, Perspektive Online, Rote Fahne News, Deutschlandfunk, T-Online, WDR, Hawar Help, Özgür TV, Etha und Deutsche Welle.

Frank Jasenksi, Anwalt der vertretenden Kanzlei „Meister und Partner“ im, fuhr die Pressekonferenz fort mit der Einordnung, dass über das Auswärtige Amt zum ersten Mal offizielle Lebenszeichen von Eva Maria Michelmann und durch Augenzeug:innen indirekte Lebenszeichen bekannt geworden seien. Über die syrische Übergangsregierung sei weiterhin keine offizielle Mitteilung über die Inhaftierung von Michelmann und Polad herausgegeben worden. Weiterhin führte er aus, dass die aktuell grundlegende Forderung, die Freilassung von Eva Maria Michelmann sei, wie auch der Erwirkung einer offiziellen Auskunft über die Situation des Journalisten Ahmet Polad und es sich hierbei um die Verantwortung der leitenden Vertreter:innen der Bundesregierung handle, diese zu erwirken. Diese Forderung ordnete er darin ein, dass Journalist:innen und zahlreiche Menschen, insbesondere seit der Operation im Januar durch die syrische Übergangsregierung, sich in Haft befinden würden, welchen keinen Kontakt zu Anwält:innen und Familienangehörigen gewährt werden würde.

Jasenski führte aus, dass die Inhaftierung von Eva Maria Michelmann, welcher seit nahezu drei Monaten keine Möglichkeit der Kontaktaufnahme zur Außenwelt, Anwält:innen oder Familienangehörigen gegeben wurde, als Isolationshaft und demnach als Folter angesehen werden müsse. Für deutsche Staatsbürger:innen, die sich in Haft befinden, sei essentieller Bestandteil des internationalen Rechts, dass diese diplomatische Vertreter:innen ihres Landes kontaktieren könnten.

Jasenski äußerte sich hierzu wie folgt: „Das ist hier missachtet worden oder es wurde gemacht und ist beim Auswärtigen Amt oder auf einer der Regierungsebenen hängen geblieben. Die Familie ist nicht informiert worden, obwohl seit Ende Januar der Fall bekannt ist. Das ist eine Frage, die wir ans Auswärtige Amt haben: Seid wann gibt es diese Information und was hat das Auswärtige unternommen, um selbstverständliche Rechte an Informationen und die rechtliche Grundlage zu sichern?“

Im Folgenden sprach die Mutter von Eva Maria, Rotraut Hake-Michelmann über die aktuellen Entwicklungen in der Inhaftierung ihrer Tochter. Diese sei erleichtert über das Wissen, dass ihre Tochter am Leben sei, gleichzeitig habe sie jedoch auch Sorge um den Zustand ihrer Tochter und den anderen inhaftierten Journalist:innen vor Ort. Sie erklärte, dass über Augenzeug:innen berichtet wurde, dass Ahmet Polad, am Bauch und an der Hand verletzt sei. Auch sei über eine Zeugin berichtet worden, dass Eva Maria sich nicht nur in Isolationshaft befinde, sondern auch Dauerverhören ausgesetzt sei, was einer Form der Folter entspreche. Alle bisher vorliegenden Informationen seien in penibler Dokumentation über kurdische Freunde gesammelt worden, vom Auswärtigen Amt wären bisher jedoch nur schöne Worte geteilt worden, welche bekräftigen würden, dass diese alles in ihrer Machte Stehende, tun würden. Hierbei appelliert Rotraut Hake-Michelmann an die Bundesregierung, dass diesen Worten, Taten folgen müssten.

Im Anschluss äußerte sich der Bruder von Eva Maria, Dr. Antonius Michelmann. Dieser teilte mit: „Wir haben ein Doppelleben geführt: wir hatten Hoffnung, dass wir Eva finden und retten werden, auf der anderen Seite musste man jedoch mit dem Schlimmsten rechnen.“

Dr. Antonius Michelmann führte fort, dass bereits mehrere Treffen durch die deutsche Regierung mit dem Präsidenten der syrischen Übergangsregierung Al-Shaara stattgefunden haben, welche Abschiebepakete und die Stärkung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit behandelt hätten, die Freilassung seiner Schwester Eva Maria und weiteren Journalist:innen sei hierbei jedoch nicht auf der Tagesordnung gewesen. Er führt die Informationen durch eine Augenzeugin fort, welche mitteilte, dass sich Eva Maria seit 95 Tagen in Isolationshaft befinde, schwer gefoltert worden sei und demnach davon auszugehen ist, dass es ihr physisch, wie psychisch, sehr schlecht ginge. Dr. Antonius Michelmann betonte, dass die Erwartungshaltung aufgestellt wird, dass die Situation von Eva Maria zur „Chefsache“ gemacht wird und demnach der Offene Brief an die Bundesregierung gestellt wurde. Er sehe die Gefahr, dass seine Schwester Eva Maria weitere Folter und Kriminalisierung unter dem Vorwurf der Spionage erleben könne.

Die Pressekonferenz endete nach Fragen der Pressevertreter:innen und Antworten des Anwalts und der Familienangehörigen.