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Pressemitteilung anlässlich der Freilassung von Eva Maria Michelmann und der andauernden Gefangenschaft von Ahmet Polad (Mehmet Nizam Aslan)

Am 09.07.2026 fand in Köln eine Pressekonferenz der Familienangehörigen der Journalistin Eva Maria Michelmann und deren Anwalt Roland Meister im Zuge der Freilassung und Rückkehr von Eva nach Deutschland und des weiterhin inhaftierten kurdischen Journalisten Ahmet Polad (Mehmet Nizam Aslan) statt.

Teilnehmer:innen waren Rotraut Hake-Michelmann (Mutter von Eva), Dr. Antonius Michelmann (Bruder), Rechtsanwalt Roland Meister sowie als Moderatorin Avîn Hummitzsch von der Rojava-Solidaritätsstruktur „People’s Bridge“. Auch Eva Michelmann kam in einer Videobotschaft selbst zu Wort. Die Pressekonferenz wurde von Avîn Hummitzsch mit einer Zusammenfassung der letzten Monate seit Erhalt der Information über die Verschleppung der beiden Journalist:innen aus Raqqa eingeleitet. Sie fasste zusammen, dass Eva Maria Michelmann und Ahmet Polad am 18. Januar während ihrer journalistischen Arbeit in Raqqa festgenommen wurden, woraufhin drei Monate lang keine offiziellen Informationen über den Aufenthaltsort oder den Gesundheitszustand der beiden Journalist:innen vorlagen. Angestoßen von der Initiative „Freiheit für Eva und Ahmet“ wurde eine Soldaritätsarbeit geleistet, welche die Freilassung mit politischen Prozessen begleitet habe, sowie ein öffentlicher Druck, welcher durch intensive Recherchearbeit geschaffen wurde. Am 19. Juni wurde Eva Maria Michelmann aus syrischer Haft entlassen und ist nach Deutschland zurückgekehrt. Avîn Hummitzsch sprach den Unterstützer:innen der Kampagne Dank aus und teilte die Information, dass die Initiative unter dem Slogan „Freiheit für den kurdischen Journalisten Ahmet Polad“ ihre Arbeit fortsetzen werde.

Im Anschluss gab der Rechtsanwalt Roland Meister eine Einordnung der vergangenen Arbeiten und der Haft von Eva Maria Michelmann. Er betonte, dass die Aufarbeitung des Falls von Eva Maria Michelmann und Ahmet Polad noch nicht beendet sei. Er wies darauf hin, dass die Äußerungen der vergangenen Pressekonferenz vom 29.05.2026 in Berlin, wie auch die wachsende Arbeit der Solidaritätsinitiative einen Druck erzeugt hätten, über den die schnelle Freilassung und Rückkehr von Michelmann erfolgreich erwirkt werden konnte.

Die Haftbedingungen von Eva Michelmann, welche 152 Tage inhaftiert war, hierunter 90 % der Zeit in Isolationshaft, sowie die Folter in Haft, seien völkerrechtswidrige Strafbestände, welche aufgeklärt werden müssten. Auch zur Rolle der deutschen Bundesregierung äußerte sich der Rechtsanwalt. Er wies darauf hin, dass zu Beginn der Arbeiten über einen Pressekontakt des Spiegels die Information geteilt wurde, dass die Bundesregierung die Information erhalten habe, dass Michelmann inhaftiert sei – während dies auf Anfrage der Rechtsanwälte und der Familie verneint wurde. „Es ist von Bedeutung, ob die Bundesregierung und der Bundeskanzler nicht mit verdeckten Karten gespielt haben und zwei Journalist:innen den guten Beziehungen zu Syrien geopfert haben“, äußert sich Rechtsanwalt Meister.

Zum aktuellen Zustand von Eva Michelmann erklärte er, dass es ihr den Umständen entsprechend gut ginge. Er führte fort, dass auch die Freilassung des weiterhin inhaftierten kurdischen Journalisten Ahmet Polad in der Verantwortung der deutschen Bundesregierung stünde. Eine beglaubigte Vollmacht seitens des Anwalts, welche den Besuch Ahmet Poalds erwirken sollte, sei seitens der syrischen Regierung verwehrt worden mit der Begründung, dass hiermit zugegeben werden würde, dass er sich damit in syrischer Haft befinde. Der vertretende Anwalt soll seitens syrischer Behörden beleidigt und abgewiesen worden sein. Roland Meister wies darauf hin, dass eine Abschiebung an den türkischen Staat weitere Repressionen und die Inhaftierung für den Journalisten zur Folge hätten und betonte die kontinuierliche Missachtung der rechtsstaatlichen Grundsätze durch den türkischen Staat.

Rotraut Hake-Michelmann, Mutter von Eva Maria Michelmann, bedankte sich im Anschluss zunächst an allen Unterstützer:innen, welche zur erfolgreichen Rückkehr ihrer Tochter beigetragen hätten. Auch Dr. Antonius Michelmann, der Bruder von Eva Maria Michelmann, sprach seinen Dank gegenüber den Journalist:innen, Initiativen, Organisationen, Anwält:innen und Parteien aus, die in den vergangenen Monaten zu dem Fall von Eva und Ahmet gearbeitet haben. Er weist darauf hin, dass die Kritik an der deutschen Bundesregierung berechtigt war und weiterhin keine kritische Haltung zum syrischen Staat gezeigt werde. Er kritisiert die Pläne der Bundesregierung und des Bundeskanzlers, syrische Flüchtlinge in Zukunft nach Syrien abschieben zu wollen. Dr. Antonius Michelmann fuhr damit fort zu sagen, dass die deutsche Bundesregierung in der Pflicht stehe, sich für den Schutz von Journalist:innen international einzusetzen und dementsprechend sich auch für die Freilassung des Journalisten Ahmet Polad einsetzen müsse. „Hier sollte das Auswärtige Amt ganz konkret Taten sprechen lassen. Wir versichern der Familie (von Ahmet Polad), dass wir uns weiter für die Freiheit ihres Sohns einsetzen werden, sowie für die Freiheit der anderen politischen Gefangen und verschleppten Zivilist:innen – Unsere Stimme gehört ihnen.“

Zuletzt wurde eine Videobotschaft abgespielt, in der Eva Maria Michelmann ein Statement abgab. In dieser erklärte sie Folgendes: „Ich bin in Syrien seit Beginn des Jahres monatelang in völliger Isolation gehalten worden. Ich war alleine in einem fensterlosen Raum eingesperrt. Mir wurde mitgeteilt, dass niemand nach mir fragen würde, als ob die ganze Welt mich vergessen hätte. Mir wurde mitgeteilt, dass die deutschen Behörden auf Anfragen bezüglich meiner Person nicht antworten. Zugleich bin ich von jeglichem Kontakt zur Außenwelt abgeschnitten worden. Ich musste davon ausgehen, dass möglicherweise niemand weiß, was in der Nacht vom 18. auf den 19. Januar mit mir geschehen ist. Ich musste monatelang davon ausgehen, dass die Menschen, die mich kennen und lieben, mich für tot halten. Angekommen in Deutschland habe ich nun erfahren, dass trotz allem die Hoffnung nie aufgegeben wurde und Tausende und Zehntausende nach mir gesucht und sich für meine Freilassung eingesetzt haben.“

Sie sprach allen ihren Dank aus, die sich für ihre Freiheit und für das Recht auf kurdischen Journalismus eingesetzt haben, wie auch besonders ihrer Familie, Arbeitskolleg:innen und Freund:innen. Eva Maria Michelmann berichtete von mehrfachen Verhören und Verlegungen, bei denen sie unter anderem mit 20 Frauen in einer kleinen Zelle untergebracht worden sei, welche keine Matratze hatte.

Daraufhin ging die deutsche Journalistin auf die aktuelle Situation in Syrien ein: „Bitte glauben Sie nicht, dass das HTS Regime in Syrien in irgendeiner Weise demokratisch wäre. Seine Methoden sind nicht einmal menschlich. Folter mit Schlägen und Elektrizität sind in den Gefängnissen dieses Regimes ganz normale Standard-Verhörmethoden.  Zivilist:innen werden auf der Flucht erschossen und auf offener Straße hingerichtet. Nein, Syrien ist nicht sicher! Keine:r, die oder der hier in Deutschland Schutz sucht, darf vermittels Abschiebung gezwungen werden nach Syrien zurückzukehren! Und niemand darf in den Folterknästen des HTS Regimes im Stich gelassen werden!“

Sie schloss ihre Erklärung mit dem Aufruf ab, Syrien nicht im Stich zu lassen und zu einer Aufrechterhaltung des Kampfes für das Recht auf freie Meinungsäußerung und kritischen Journalismus, wie auch der Freiheit des Journalisten Ahmet Polad und allen politischen Gefangenen. Die Pressekonferenz endete nach fragen der Pressevertreter:innen sowie Antworten des Anwalts, der Familienangehörigen und der Moderatorin.

09.07.2026 – People’s Bridge