People’s Bridge, 29.07.2026
Am 24. März 2026 verfassten mehrere Politiker:innen des Europäischen Parlaments, darunter auch Katrin Langensiepen (Grüne/EFA) und Özlem Alev Demirel (Die Linke), einen gemeinsamen Brief an die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen. In dem Brief wurde auf den Verbleib der beiden Journalist:innen Ahmet Polad (der sich noch immer in Syrien in Gefangenschaft befindet) und Eva Maria Michelmann (die am 19. Juni freigelassen wurde) sowie auf das Schicksal weiterer 4.000 vermisster Personen aus Raqqa aufmerksam gemacht.
Unter anderem wurde gefordert, dass das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) sowie Menschenrechtsorganisationen Zugang zu den von der syrischen Übergangsregierung entführten Menschen erhalten.
So schrieben die Abgeordneten: „Dieser Fall geht über die beiden betroffenen Personen hinaus; er ist ein Prüfstein für Europas Engagement für Pressefreiheit und Menschenrechte.“
In den Monaten nach dem Brief wurden unter anderem mithilfe der Initiative „Freiheit für Eva und Ahmet“ europaweite Aktionen zur Befreiung der beiden Journalist:innen initiiert.
Die Familie von Eva Maria Michelmann und ihr Anwalt Roland Meister nahmen an drei Pressekonferenzen teil und hatten Kontakt zum Auswärtigen Amt. Sie beklagten die Intransparenz des Auswärtigen Amtes und das zurückhaltende Vorgehen der Bundesregierung.
Am 19. Juni wurde die deutsche Journalistin Eva Maria Michelmann nach Deutschland eingeflogen.
Dieser Teilerfolg ist in erster Linie das Ergebnis des Engagements solidarischer Menschen, die sich monatelang für die Freilassung von Eva Maria Michelmann einsetzten. Ahmet Polad ist nach wie vor im Gefängnis – so die Annahme des Anwalts Roland Meister. Ahmet befindet sich in Incommunicado-Haft; somit sind sein Verbleib sowie sein Gesundheitszustand unbestätigt.
Ursula von der Leyens Antwort
In der Antwort von Ursula von der Leyen vom 17. Juli 2026 heißt es, dass die EU das Verschwinden der Journalist:innen Eva Maria Michelmann und Ahmet Polad aufmerksam verfolge, den Schutz von Journalist:innen betone und die syrischen Übergangsbehörden zu einer unverzüglichen, transparenten und unparteiischen Untersuchung auffordere. Zugleich erklärte die EU, dass ihre Delegation für Syrien in diesem konkreten Fall bislang kein offizielles Unterstützungsersuchen eines EU-Mitgliedstaates erhalten habe und die konsularische Zuständigkeit grundsätzlich bei den Mitgliedstaaten liege.
In dem Schreiben heißt es dazu: „Zum gegenwärtigen Zeitpunkt hat die Delegation der Europäischen Union für Syrien in dieser konkreten Angelegenheit keine Unterstützungsanfragen von EU-Mitgliedstaaten erhalten.“ (eigene Übersetzung aus dem Englischen)
Die EU erklärt außerdem: „Die EU wird sich weiterhin für ein sicheres und förderliches Umfeld für unabhängige Berichterstattung und Medien in Syrien einsetzen, im Einklang mit internationalen Standards, und Bemühungen unterstützen, die Meinungsfreiheit und Menschenrechte wahren.“ (eigene Übersetzung aus dem Englischen)
Die EU verweist auf die fehlende formelle Unterstützungsanfrage eines Mitgliedstaates und grenzt damit ihre unmittelbare Verantwortung für den konkreten Fall ein. Offen bleibt, ob Deutschland die EU tatsächlich nicht um Unterstützung gebeten hat oder ob bereits informelle diplomatische Kontakte bestanden; konkrete eigene Maßnahmen der EU werden trotz der politischen Solidaritätsbekundungen nicht genannt.
Freiheit für Ahmet Polad!
Ahmet Polad (Mehmet Nizam Aslan) arbeitete als kurdischer Journalist für den Fernsehsender Özgür TV und das Nachrichtenportal Kurdistana Azad. Er wurde am 18. Januar 2026 gemeinsam mit Eva Maria Michelmann in Raqqa von den Sicherheitskräften der Syrischen Übergangsregierung verschleppt und seitdem ohne Kontakt nach außen in Isolationshaft gehalten. Die Syrische Übergangsregierung hat bisher jegliche Kontaktversuche von Anwälten, Familien oder Journalisten zum Ahmet Polad verhindert. Nach Informationen von ehemaligen Gefangenen, die ihn im Gefängnis von Aleppo gesehen haben, trägt er Verletzungen mit sich. Wir und die Familie von Ahmet Polad haben große Besorgnis über seinen Gesundheitszustand und sein Leben.
Wir fordern, dass die EU-Mitgliedstaaten ihre freundschaftliche Beziehung mit der antidemokratischen Übergangsregierung Syriens beenden und sich stärker für die Freilassung aller Journalist:innen und Entführten einsetzen.
Ahmet Polad muss angesichts der Kriminalisierung seines Arbeitgebers in der Türkei das Recht eingeräumt werden, sich in ein Drittland begeben zu dürfen, um weiterhin seiner Tätigkeit als Journalist nachgehen zu können.
