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Entführung und Ermordung eines kurdischen Soldaten löst Proteste in Nordostsyrien aus

Ein 26-jähriger kurdischer Soldat der syrischen Armee ist nach seiner Entführung im Raum Hesekê (Hasaka) brutal getötet worden. Bei dem Opfer handelt es sich um Samî Şêxmûs Hiso, Angehöriger der Hesekê-Brigade, der unter dem Namen Sîpan Hiznî bekannt war.

Nach Angaben von Sicherheitsquellen und des Rûdaw-Korrespondenten in Rojava wurde Hiso, der im Mufti-Viertel von Hesekê lebte, von bewaffneten, bislang nicht identifizierten Personen verschleppt. Die Täter brachten ihn demnach auf die Straße in Richtung Dêrazor (Deir ez-Zor). Dort soll er mit einem scharfen Gegenstand getötet worden sein. Anschließend hätten die Täter auf seinen leblosen Körper geschossen.

Aufnahmen der Tat sollen von den Tätern gefilmt und anschließend verbreitet worden sein. Die Identität und politische bzw. gesellschaftliche Zugehörigkeit der Verantwortlichen sind Gegenstand der Ermittlungen. Nach den vorliegenden Angaben wird der Tat eine Beteiligung von Angehörigen des arabischen Al-Baggara-Stammes zugeschrieben. Mehrere Tatverdächtige sollen inzwischen festgenommen worden sein. Eine Gruppe hat die Verantwortung für die Tat bislang nicht übernommen.

Proteste in mehreren Städten

Die Entführung und Ermordung von Sîpan Hiznî hat in Nordostsyrien umfangreiche Proteste ausgelöst. In Qamişlo (Qamischli), Çilaxa, Girkê Legê, Hesekê, Tirbespiyê, Dêrik und Dirbêsiyê gingen zahlreiche Menschen auf die Straße. Allein in Qamişlo beteiligten sich Tausende an einer Demonstration.

Die Demonstrierenden forderten eine vollständige Aufklärung des Mordes sowie die strafrechtliche Verfolgung aller Verantwortlichen. Zugleich wurde davor gewarnt, den Mord für politische oder gesellschaftliche Spannungen zwischen den verschiedenen Bevölkerungsgruppen der Region zu instrumentalisieren.

Die Appelle zielten insbesondere darauf, eine Eskalation zwischen der kurdischen und der arabischen Bevölkerung zu verhindern. Der Fall hat damit über die Aufklärung eines einzelnen Gewaltverbrechens hinaus eine hohe gesellschaftliche und politische Sensibilität erlangt.

Familie fordert Aufklärung

Nach dem Mord forderte ein Bruder des Getöteten die Behörden in Rojava sowie die syrischen Verantwortlichen auf, die Täter schnellstmöglich zu identifizieren, festzunehmen und vor Gericht zu stellen. Die Familie betonte, dass ein derart brutaler Mord nicht straflos bleiben dürfe.

Die Ermittlungen sollen nun klären, wer für die Entführung und Tötung verantwortlich ist und welches Motiv hinter der Tat stand. Die bereits erfolgten Festnahmen könnten dabei weitere Hinweise auf den Ablauf und die Hintergründe des Verbrechens liefern.

Familienschicksal

Samî Şêxmûs Hiso diente in der Hesekê-Brigade der syrischen Armee. Seine Familie hatte bereits zuvor schwere Verluste erlitten: Seine beiden älteren Brüder Hüseyin und Sipan waren im Kampf gegen den sogenannten „Islamischen Staat“ (IS) ums Leben gekommen.

Nach dem Tod seines Bruders Sipan übernahm Samî dessen Namen als Decknamen. Seine Eltern sind inzwischen verstorben. Er hinterlässt fünf Schwestern und sieben Brüder.

Wachsende Spannungen seit der Offensive

Seit der Offensive im Januar gegen die Demokratische Selbstverwaltung und der anschließenden eingeleiteten „Integrationsphase“ häufen sich Berichte über Angriffe auf kurdische Errungenschaften und Rechte sowie auf Kurdinnen und Kurden.

Aktuell kommt es in verschiedenen Teilen der Region zu Boykottaktionen. Hintergrund ist unter anderem die geplante Herabstufung der kurdischen Sprache im Bildungswesen: Kurdisch soll demnach künftig lediglich als Wahlfach mit einem Umfang von bis zu vier Wochenstunden angeboten werden.

Auch die Rückkehr kurdischer Geflüchteter in ehemals von ihnen bewohnte Gebiete sorgt für Spannungen. In Serêkaniyê (Ras al-Ain) sollen kurdische Rückkehrer noch vor wenigen Wochen von islamistischen und chauvinistischen Kräften angegriffen worden sein. Zudem sei ihnen der Zugang zu ihrem Eigentum verwehrt worden.

„Integrationsprozess“ ?

Die Entwicklungen nähren die Sorge, dass die seit dem Machtwechsel in Damaskus eingeleiteten politischen Prozesse nicht zu einem gleichberechtigten Zusammenleben aller Bevölkerungsgruppen führen. Insbesondere mit Blick auf die Zukunft der Kurdinnen und Kurden sowie anderer ethnischer und religiöser Gemeinschaften unter der Herrschaft von Ahmad al-Sharaa bestehen erhebliche Befürchtungen hinsichtlich ihrer politischen, kulturellen und gesellschaftlichen Rechte.

Wir verurteilen den abscheulichen Mord an Samî Şêxmûs Hiso (Sîpan Hiznî) aufs Schärfste und sprechen seiner Familie, seinen Angehörigen und seinen Freundinnen und Freunden unser tiefstes Mitgefühl und Beileid aus.