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Suwaida unter Belagerung: Drusischer Widerstand und die Krise Syriens

Am 13. Juli griffen Einheiten der HTS / syrischen Übergangsregierung die mehrheitlich von Drus:innen bewohnte südsyrische Region Suwaida an. Als Vorwand für ihre Offensive nannten sie Gefechte zwischen drusischen Kämpfer:innen und lokalen Beduinenstämmen nach der Entführung eines drusischen Händlers durch Beduinen. In Wirklichkeit ist jedoch klar, dass es dem syrischen Staat darum ging, den Widerstand der Drus:innen zu brechen und die Region Suwaida, über die die Übergangsregierung nur sehr begrenzte Kontrolle verfügt, vollständig und unter Anwendung brutalster Gewalt in den syrischen Staat zu integrieren.

Es folgten Kämpfe zwischen drusischen Selbstverteidigungseinheiten und Milizen der Regierung, bei denen etwa 1500 Menschen starben. Wie bereits im vergangenen März in der Region Latakia führten die HTS und ihre Verbündeten auch diesmal zahlreiche Massaker an Zivilist:innen durch, zum Beispiel im Al-Watani-Krankenhaus, wo zahlreiche Pfleger:innen, Ärzt:innen und Patient:innen ermordet wurden. Insgesamt wurden etwa 200 Drus:innen aus unmittelbarer Nähe von den Milizionären exekutiert. Viele weitere Zivilist:innen starben während der Kämpfe. Drus:innen, die den Truppen des Regimes in die Hände fielen, wurden oft öffentlich durch das Abschneiden ihres Schnurrbarts gedemütigt. Der Schnurrbart ist in der drusischen Religion von immenser spiritueller Bedeutung. 

Ein weiteres Mal lässt die Regierung rund um den ehemaligen IS-Kommandanten Ahmed al-Scharaa ihre Maske fallen. Ein weiteres Mal beweist sie, dass unter ihrer Herrschaft kein Platz für religiöse oder ethnische Minderheiten ist, dass kein Raum für Forderungen nach Demokratie und Selbstbestimmung bleibt und dass jedem, der es wagt, sich gegen ihre Herrschaft zu widersetzen, mit brutalster Gewalt begegnet wird. Wenn der US-Sonderbeauftragte für Syrien, Tom Barrack, von „einer Nation, einer Armee und einer Regierung“ für Syrien spricht, bedeutet das in der Praxis eben solche Massaker, um die Minderheiten des Landes zu unterwerfen.

Unter einer solchen Regierung kann es kein freies Syrien geben!

In der internationalen Debatte sorgte die militärische Intervention Israels für großes Aufsehen und heftige Diskussionen. Deshalb ist es wichtig, in diesem Punkt Klarheit zu schaffen. Weder ist Israel im Entferntesten an der Sicherheit des drusischen Volkes interessiert, noch ist die HTS ein Gegner Israels.

Das ist auch nur logisch, wenn man bedenkt, dass es die Verbündeten Israels, allen voran die USA und Großbritannien, waren, die die HTS überhaupt erst an die Macht gebracht haben. Im Gegenzug für diese Macht wird von der HTS erwartet, Syrien für westliches Kapital zu öffnen und sich dem westlichen Machtblock zu unterwerfen. 

Es ist nicht das erste Mal, dass imperialistische Mächte sich faschistischer Kräfte bedienen, um ihre geopolitischen Ziele durchzusetzen. Allerdings haben sie in der Vergangenheit die Erfahrung gemacht, dass diese Kräfte ihrer Kontrolle entgleiten und zur Gefahr werden können, siehe z. B. die Taliban oder al-Qaida.

In diesem Sinne sind diese Angriffe zu verstehen. Israel möchte die HTS nicht stürzen, sondern disziplinieren. Es möchte Ahmed al-Scharaa und seinen Gefolgsleuten klarmachen, wer hier die Zügel in der Hand hält. Das ist der Grund für ihr Eingreifen, die Verfolgung eigener geopolitischer Ziele und nicht eine Sympathie für das drusische Volk.

Die Verbündeten der unterdrückten Völker sind die demokratischen und revolutionären Kräfte, nicht die imperialistischen Staaten.

Mittlerweile herrscht nach einem unter Aufsicht der USA ausgehandelten Abkommen ein brüchiger Waffenstillstand in der Region. Die Armee musste sich aus Suwaida zurückziehen. Der syrische Staat konnte den Widerstand des drusischen Volkes und seiner bewaffneten Kräfte nicht brechen. Durch ihre Einheit, Organisation, Bewaffnung und Selbstverteidigung konnten die Drus:innen der Besatzung entkommen und weitere Massaker verhindern.

Seitdem hat die Regierung jedoch eine Blockade um Suwaida errichtet. Die humanitäre Lage ist besorgniserregend. Es mangelt an Strom, Wasser, Nahrung und medizinischem Personal. Die Selbstverwaltung schickte umgehend Hilfskonvois nach Suwaida, diese wurden jedoch vom syrischen Staat aufgehalten und konnten die Selbstverwaltung nicht verlassen.

Die Selbstverwaltung betonte wiederholt, dass die Massaker in Suwaida eine gesamt-syrische Angelegenheit sind. Es ist äußerst wahrscheinlich, dass der syrische Staat, wäre sein Angriff erfolgreich gewesen, seine Augen unmittelbar auf die Rojava-Revolution gerichtet hätte. So verteidigten die Kämpfer:innen der drusischen Selbstverteidigungseinheiten nicht nur ihr eigenes Volk, sondern im gleichen Atemzug auch die Errungenschaften der Völker Nord- und Ostsyriens.

Es ist kein Zufall, dass die Ideen der Rojava-Revolution sich aktuell in Syrien verbreiten. Es ist kein Zufall, dass Menschen von Latakia bis Suwaida der Selbstverwaltung ihre Unterstützung aussprechen und in sie ihre Hoffnung setzen. 

Denn ihre Ideen der Frauenbefreiung, Dezentralisation, Selbstbestimmung und radikalen Demokratie zeigen einen Weg für ein freies Syrien auf, in dem alle Volks- und Religionsgruppen einen Platz haben – ein Weg, den die HTS weder gehen kann noch will. Die Zukunft eines demokratischen Syriens liegt in den Errungenschaften der Revolution!

Es lebe der Widerstand des drusischen Volkes!

Es lebe der Widerstand der Völker Syriens!

Es lebe das freie und demokratische Syrien!