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Jetzt mehr denn je: Verteidigen wir die Rojava-Revolution

Heute Morgen erfuhren wir von der Einnahme der Stadtteile Şêxmeqsûd (Sheikh Maqsoud) und Eşrefiyê (Ashrafiyeh) durch die bewaffneten Kräfte der syrischen Übergangsregierung, die diese seit dem 6. Januar belagert hatten. Kurdische Kämpferinnen wurden evakuiert oder gefangen genommen, und zehntausende Zivilistinnen sind weiterhin auf der Flucht.

Şêxmeqsûd und Eşrefiyê

Seit der HTS-Offensive im Dezember 2024 sowie den Angriffen auf die Region Şehba und die Stadt Minbic gehörten die Stadtteile Şêxmeqsûd und Eşrefiyê in Aleppo zu den letzten Gebieten der Autonomen Demokratischen Administration von Nord- und Ostsyrien (AADNES) westlich des Euphrats. Rund 200.000 Menschen lebten dort – vor allem kurdische Geflüchtete aus Efrîn, aber auch christliche und arabische Geflüchtete – und organisierten sich in einem System ziviler Räte.

Im Anschluss an das allgemeine Waffenstillstandsabkommen vom 10. März zwischen den Syrischen Demokratischen Kräften (SDF) und der syrischen Übergangsregierung wurde am 1. April ein spezielles Abkommen für Aleppo unterzeichnet. Dieses sah die Demilitarisierung der Stadtteile und den Rückzug der SDF vor – im Gegenzug für Garantien der Nichtangriffspolitik durch die bewaffneten Kräfte der Übergangsregierung sowie für den Erhalt der zivilen Selbstverwaltung und einer Polizeikraft (Asayîş), die lediglich mit leichten Waffen ausgestattet sein sollte.

Was ist in dieser Woche geschehen?

Trotz dieser Waffenstillstandsabkommen unterwarfen Regierungskräfte die Stadtteile im Laufe des Jahres verschiedenen Formen von Blockaden – etwa bei Strom, Wasser, Treibstoff und anderen Gütern –, um im Rahmen der Verhandlungen Druck auf die AADNES und die SDF auszuüben.

Am 22. Dezember kam es nach dem Besuch des türkischen Außenministers Hakan Fidan in Damaskus zu Angriffen auf die Stadtteile, noch bevor ein neuer Waffenstillstand abgeschlossen worden war. Am 4. Januar, während sich eine Delegation der AADNES in Damaskus befand, um die Gespräche im Anschluss an das Abkommen vom 10. März fortzusetzen, wurden diese auf Druck der Türkei von Vertreter*innen der Übergangsregierung abrupt abgebrochen. Zwei Tage später, am 6. Januar, starteten die bewaffneten Kräfte der Übergangsregierung einen massiven Angriff auf Şêxmeqsûd mit Panzern, Drohnen, schwerer Artillerie und mehreren tausend Kämpfern – mit dem Ziel, die Stadtteile einzunehmen und die kurdische Bevölkerung sowie die zivilen und militärischen Strukturen zu vertreiben.

Heroischer Widerstand

Angesichts dieser Angriffe veröffentlichten die Zivilräte beider Stadtteile mehrere Erklärungen, in denen sie ihre Unterstützung für die Verteidigungskräfte und ihre Entschlossenheit bekräftigten, in den Vierteln zu bleiben. Rund 300 Asayîş-Kämpferinnen und -Kämpfer leisteten fünf Tage und Nächte lang Widerstand gegen die brutalen Angriffe der Übergangsregierung – bewaffnet lediglich mit leichten Waffen. Wir würdigen ihren Mut und ihre Opferbereitschaft, insbesondere jene der Kämpferinnen, die durch eine selbstaufopfernde Aktion den Vormarsch der radikal-islamistischen Kräfte stoppten. Wir ehren den Kommandanten des Widerstands, Ziyad Heleb, der gestern den Märtyrertod erlitt.

Menschenrechtsverletzungen

Wir verurteilen die schweren Menschenrechtsverletzungen, die von den bewaffneten Kräften der Übergangsregierung begangen wurden. Unter den an dem Angriff beteiligten islamistischen Milizen befanden sich die international sanktionierten Gruppen Hamzat, al-Amshat, Sultan Murad und Nour al-Din al-Zenki. Diese Gruppen waren bereits an den Invasionen von Efrîn und Serêkaniyê/Girê Spî in den Jahren 2018 und 2019 beteiligt und wurden später in die neue syrische Armee integriert, unter anderem in die 76., 62., 72. und 80. Division.

Bei den Angriffen wurden mehr als 300 zivile Wohnhäuser beschädigt, zudem wurde das einzige zivile Krankenhaus in Şêxmeqsûd – das Märtyrer-Khaled-Fajr-Krankenhaus – wiederholt angegriffen. Nach den jüngsten Berichten wurden Dutzende Zivilistinnen getötet und Hunderte verletzt. Zudem wurden mehrere standrechtliche Hinrichtungen gemeldet, darunter die eines Kämpfers, der zuvor entkleidet und in in sozialen Medien verbreiteten Videos gedemütigt worden war. Die YPJ verurteilte außerdem die Schändung des Leichnams einer Asayîş-Kämpferin, deren Körper von einem radikal-islamistischen Milizionär von einem Gebäude geworfen wurde.

Die Übergangsregierung wandte in Aleppo inhumane Methoden an: Zwangsevakuierungen der Zivilbevölkerung sowie die Erklärung, jede Person, die in den Vierteln verbleibe, werde als Kombattantin betrachtet – ein klarer Verstoß gegen das humanitäre Völkerrecht. Während in der Nacht mehrere hundert verletzte Zivilistinnen, Kämpferinnen und Gefallene in von der AADNES kontrollierte Gebiete evakuiert werden konnten, wurden am Morgen nach der vollständigen Übernahme der Stadtteile durch die Übergangsregierung mehr als 300 Menschen festgenommen und unmenschlich behandelt. Zehntausende Zivilistinnen sind weiterhin innerhalb Aleppos und im Umland vertrieben, viele von ihnen schlafen in ihren Autos oder im Freien.

Die Rojava-Revolution verteidigen

Heute mehr denn je müssen wir die Rojava-Revolution verteidigen und ihre Errungenschaften bewahren. Da Waffenstillstandsabkommen und Perspektiven einer Integration in eine einheitliche syrische Armee zunehmend untergraben werden, müssen wir die Stimme der Frauen und der Völker Syriens sein – der Kurdinnen, Alawitinnen, Drusinnen und Araberinnen –, die sich weigern, ihr Land von einem politisch-islamistischen Regime regieren zu lassen, das als Marionette der Türkei und westlicher Mächte agiert.

Wir müssen sowohl die Untätigkeit als auch die Unterstützung der US-amerikanischen und europäischen Regierungen für die syrische Übergangsregierung verurteilen und internationale Sanktionen gegen sie fordern. Ein vereintes Syrien kann nur auf der Grundlage der Achtung der Rechte aller Gemeinschaften, der Rechte von Frauen und LGBTI-Personen, der Aufarbeitung der von der neuen Regierung begangenen Verbrechen sowie der aktiven Beteiligung der gesamten Bevölkerung am demokratischen Wiederaufbau des Landes entstehen.

People`s Bridge, 12.01.2026