Seit dem 6. Januar haben islamistische Milizen der HTS zusammen mit türkisch gestützten Proxy-Kräften der ehemaligen SNA massive Angriffe gegen die Autonome Verwaltung von Nord- und Ostsyrien (AANES/Rojava) gestartet. Ihr Ziel ist die Zerstörung des demokratischen und auf Frauenbefreiung basierenden politischen Projekts von Rojava. Diese Angriffe wären ohne die militärische, logistische und politische Unterstützung des türkischen Staates nicht möglich.
Am 11. Januar drangen die Angreifer in zwei kurdische Stadtteile von Aleppo ein. Mit türkischer Unterstützung und dem Einsatz von Drohnen wurden die Angriffe anschließend nach Osten ausgeweitet. In den folgenden Tagen gerieten die multiethnischen Städte Raqqa und Tabqa ins Visier – Städte, die seit ihrer Befreiung vom sogenannten „Islamischen Staat“ durch die Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) von der AANES verwaltet werden.
Das dort etablierte Regierungssystem garantierte die Rechte aller ethnischen und religiösen Gemeinschaften sowie die gleichberechtigte politische und soziale Teilhabe von Frauen. Während zivile Institutionen auf breiter gesellschaftlicher Repräsentation basierten, stützte sich die militärische Allianz der SDF teilweise auf Abkommen mit Stammesführern. Der Abfall einiger dieser Stämme trug zu der kürzlichen Vereinbarung zwischen Mazlum Abdi und dem syrischen Präsidenten Ahmed al-Sharaa bei.
Auf der Flucht vor den Kämpfen und der gezielten ethnischen Gewalt der islamistischen Milizen wurden Tausende Menschen auf die Straßen in ein neues Exil in Richtung der kurdischen Städte getrieben, die bereits mit Geflüchteten aus Afrin und Serêkaniyê überfüllt waren. In den angegriffenen und besetzten Gebieten wurden Statuen von Märtyrerinnen und symbolische Darstellungen der Selbstverwaltung zerstört – ein gezielter Angriff auf die frauenbefreiende Identität von Rojava.
Die Rojava-Revolution – eine der wichtigsten Hoffnungen unterdrückter Völker im 21. Jahrhundert – ist damit erneut bedroht durch ein Bündnis aus islamistischen Milizen, türkischem Kolonialismus und imperialistischen Interessen. Seit 2011 versuchen diese Kräfte, kurdische Selbstbestimmung und demokratische Selbstverwaltung gewaltsam zu zerschlagen. Dass Rojava heute noch existiert, verdankt es dem entschlossenen Widerstand seiner Bevölkerung und der anhaltenden internationalistischen Solidarität.
Wir verurteilen die passive Haltung der EU-Staaten angesichts dieser Angriffe und rufen Frauen, Arbeiter:innen und die Völker Europas dazu auf, aktiv gegen Besatzung, Krieg und Repression vorzugehen. Heute haben die zivilen Institutionen in allen Regionen von Rojava die allgemeine zivile Mobilmachung ausgerufen; wir müssen diesem Ruf folgen. Die Verteidigung von Rojava ist unsere internationale Verantwortung.
Stärken wir die internationalistische Solidarität und verteidigen wir die Errungenschaften der Rojava-Revolution!
- Januar 2026 People’s Bridge
